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Grüner Gesundheitsberufetag: Wir brauchen eine Roadmap Gesundheitsbildung

Rund 300 Gäste aus den unterschiedlichen Berufsgruppen kamen beim ersten Berliner Gesundheitsberufetag auf Einladung der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen am 17. und 18. April im Abgeordnetenhaus zusammen und diskutierten unter dem Motto „Gemeinsam für ein gesundes Berlin“ Zukunftsfragen des Gesundheitswesens. Eines der zentralen Ergebnisse der Konferenz war: Es braucht eine Roadmap für Gesundheitsbildung in Deutschland und im Land Berlin. (HIER geht es zur umfassenden Dokumentation des Gesundheitsberufetags)

Einig waren sich die ReferentInnen und TeilnehmerInnen darin, dass eine bedarfsgerechte Gesundheitsversorgung angesichts des drohenden Fachkräftemangels und erhöhten Bedarfs nur interprofessionell erfolgen kann. Nur mithilfe eines koordinierten und disziplinierten Zusammenarbeitens sei eine Versorgung möglich, die den Ansprüchen der heutigen vom demographischen Wandel geprägten Zeit genüge, so Heiko Thomas, gesundheitspolitischer Sprecher von Bündnis 90/Die Grünen im Abgeordnetenhaus.

In einem durch Macht, Status und starre Hierarchien geprägten Gesundheitswesen stoßen Bemühungen um interprofessionelles Arbeiten jedoch schnell an Grenzen: Der Berufsalltag mit Zeitdruck, hoher Arbeitsbelastung und festgefahrenen Routinen ist der größte Feind der Interprofessionalität, auch wenn inzwischen viele AkteurInnen im Gesundheitswesen bestrebt sind eine Kultur der vernetzten Zusammenarbeit zu etablieren.

Wie können die verschiedenen Berufsgruppen künftig besser zusammenarbeiten? Um diese Frage drehten sich Vorträge, Podiumsdiskussionen und Diskussionsforen, die von einer lebhaften und konstruktiven Gesprächsatmosphäre geprägt waren. Nicht nur die hohe Teilnehmerzahl hat gezeigt, wie groß der Druck für die Beschäftigten des Gesundheitswesens ist. Der Frust aus dem Arbeitsalltag schlägt in Resignation und dann in Abkehr vom Beruf um. Das können wir uns aber nicht mehr erlauben. Deutschland hinkt in der interprofessionellen Versorgung meilenweit hinterher, wie Prof. Dr. Doris Schaeffer in ihrem Vortrag unterstrich, und das, obwohl alle Expertengutachten (international wie national) gemeinsame Versorgung und auch Ausbildung fordern.

In den unterschiedlichen Foren wurden intensiv Fragen der Qualifizierung der Gesundheitsberufe, der sektorübergreifenden Versorgung, der Delegation und Substitution diskutiert und darüber hinaus erörtert, inwiefern die Verkammerung der Pflege- und Therapieberufe zu mehr Augenhöhe zwischen den Berufsgruppen beitragen kann. Ein Forum wurde von den Auszubildenden und Studierenden selbst gestaltet und beschäftigte sich mit der Frage, was die Wünsche derjenigen sind, die das Gesundheitswesen von morgen gestalten, und was die Angehörigen der verschiedenen Ausbildungs- und Studiengänge voneinander und übereinander lernen können.

Die Zukunftsfähigkeit unseres Gesundheitssystems hängt davon ab, dass die Gesundheitsberufe gestärkt werden, wie Ramona Pop, Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, betonte. Dabei ist es falsch anzunehmen, dass nur mehr Medizin mehr Gesundheit schafft. Wir müssen stattdessen, so Barbara Steffens, grüne Gesundheitsministerin von Nordrhein-Westfalen unseren Fokus im Gesundheitswesen mehr auf Prävention und gesellschaftliche Teilhabe legen. Die Berliner Patientenbeauftragte Karin Stötzner forderte die VertreterInnen der Pflege- und Therapieberufe dazu auf, noch kämpferischer und lauter zu werden, so wie es die Ärzteschaft schon seit langem ist. Eine Pflegekammer könnte dafür ein wichtiger Schritt sein. In diesem Zusammenhang hielt Jasenka Villbrandt, pflegepolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion im Abgeordnetenhaus, ein starkes Plädoyer für die Pflegekammer und gratulierte den Pflegekräften zum starken Umfrageergebnis zu Gunsten einer Kammervertretung.

Obwohl das deutsche Gesundheitssystem international einen guten Ruf genießt, ist sein großer Mangel die stark ausgeprägte Segmentierung. Dies stellte Gesundheitssenator Mario Czaja heraus und kritisierte, dass es daher für die Beschäftigten im Gesundheitswesen, aber erst recht für die PatientInnen, schwer sei, sich zurechtzufinden und hochqualifizierte Angebote zu machen beziehungsweise zu erhalten. Der Schlüssel liegt auch hier in der Interprofessionalität und in der Notwendigkeit über den Tellerrand der eigenen Profession zu blicken, um möglichst viel über die fachliche Kompetenz, die Talente und den rechtlichen Handlungsrahmen der anderen Berufsgruppen zu erfahren. So wie die Gesundheitsberufe die Grenzen zwischen den Berufsgruppen einreißen müssen, ist auch die Politik gefordert ihre Ressortgrenzen zu überwinden – das hob Diözesancaritasdirektorin und Gesundheitswissenschaftlerin Prof. Dr. Ulrike Kostka hervor.

Interpofessionalität in der Versorgung zu verankern, geht nur durch Bildung; Interprofessionalität in der Ausbildung zu verankern geht nur, wenn dies sich auch in der beruflichen Realität widerspiegelt. Die Bundesländer sind daher gefordert, sich in der Diskussion um die Qualifizierung der Gesundheitsberufe verstärkt einzubringen, so die bildungspolitische Sprechern der Grünen-Fraktion Stefanie Remlinger. Denn Bildung verändert auch im Gesundheitswesen alles.

Veranstaltungen

Kongress | Abgeordnetenhaus von Berlin Niederkirchnerstr. 5 10111 Berlin | Freitag, 17.04.2015 | 16:00 Uhr