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Leise, schnell und sicher – Wirtschaftsverkehr aufs Lastenrad!

Der Wirtschaftsverkehr hat einen Anteil von bis zu 40 Prozent am städtischen Verkehr. In Zukunft wird dieser Anteil weiter steigen. Durch Schnellieferdienste oder die Auswahlmöglichkeit genauer Lieferzeiten wird der Onlinehandel weiter an Attraktivität gewinnen. Wenn die Politik nicht umsteuert, werden Lärm, Zweite-Reihe-Parken und zunehmende Konflikte zwischen Lieferfahrzeugen und Radverkehr die Folge sein. Wir wollen nicht untätig zusehen, sondern die Chance nutzen und Berlin als Labor für die Mobilität der Zukunft etablieren.

 

Eine Studie zeigt, dass beispielsweise bei den Kurierdiensten gut die Hälfte der Pkw-Aufträge durch Elektro-Lastenräder ersetzbar wären. Damit könnten Lieferfahrten mit dem Lkw vermieden und dicht besiedelte Gebiete enorm entlastet werden. Wohngebiete werden dadurch sauberer, leiserer und sicherer.

 

Doch dafür müssen die Voraussetzungen geschaffen werden. Es müssen geeignete Standorte für Mikro-Depots identifiziert werden. Dies sind an geeigneten Orten in den Zustellbezirken abgestellte Fahrzeuge, Container oder auch geeignete Lagerräume, die es ermöglichen, die Lastenfahrräder mit den Sendungen zu beladen. Hamburg hat in einem Pilotprojekt gezeigt, dass damit positive Effekte erreicht werden können.

 

Die Einsatzmöglichkeiten und Vorteile von Lastenrädern sind bei vielen Unternehmen noch nicht ausreichend bekannt. Außerdem sind die relativ hohen Anschaffungskosten für viele Freiberufler wie beispielsweise Kuriere ein Hindernis. Dabei wäre der Einsatz von Elektrolastenrädern in vielfältiger Hinsicht möglich: Im Handel, bei Kurierdiensten, im Handwerk, bei Dienstleistungsbetrieben und nicht zuletzt in der Gastronomie. Wir wollen deshalb ein Förderprogramm in Höhe von 250 000 Euro für Elektrolastenräder auflegen. Damit soll der Kauf oder das Leasing von Lastenpedelecs mit 1 000 Euro pro Lastenrad gefördert und damit für Gewerbetreibende, freiberuflich tätige Personen oder gemeinnützige Einrichtungen erleichtert werden. Zudem soll der Senat zwölf Lastenpedelecs zur Kurzzeitmiete als Testräder zur Verfügung stellen und mit einer Öffentlichkeitskampagne über die Möglichkeiten und Vorteile von Lastenrädern aufklären.

 

Auch auf der Bundesebene gibt es momentan eine Debatte über die Förderung von Elektromobilität.Von der Bundesregierung wird jedoch ein Ansatz verfolgt, der für Berlin nicht sinnvoll ist. Daher sollte sich das Land Berlin gegenüber der Bundesregierung dafür einzusetzen, dass statt Privat-PKWs die Elektromobilität kommunaler Fuhrparks und des Wirtschaftsverkehrs gefördert wird, z. B. auch mittels E-Lastenrädern. In Berlin gibt es aktuell 657 Elektro-Pkw, 109 elektrische Nutzfahrzeuge und 400 Miet- und Carsharingfahrzeuge, die mit Strom betrieben werden. Hingegen sind in der Stadt schon 80 000 bis 100 000 Elektrofahrräder unterwegs. Der Senat und auch die öffentliche Hand haben eine Vorbildfunktion. Deswegen brauchen wir Elektromobilität für die öffentlichen Fuhrparks, und dazu kann eine richtig gestaltete Förderung der Elektromobilität auf Bundesebene beitragen.

 

Durch diese Art von Elektromobilität kann der Berliner Verkehr schneller, stressfreier und umweltfreundlicher werden. Wir könnten Staus und Gestank vermeiden und damit die Nerven aller Verkehrsteilnehmer und -teilnehmerinnen, die Gesundheit der Berliner und Berlinerinnen und sogar die Geldbörsen der Unternehmen schonen.